Zum Inhalt springen
Deutsche-Beamtenversicherungen
Menü

Beihilfe-Lexikon Alternativen & Sonderformen

Anwartschaftsversicherung

Definition

Eine Anwartschaftsversicherung ist ein ruhender privater Krankenversicherungsvertrag, der das Recht sichert, später ohne neue Gesundheitsprüfung in den vollen Versicherungsschutz zu wechseln. Die kleine Anwartschaft sichert den Gesundheitszustand, die große zusätzlich das Eintrittsalter.

Stand September 2026 · Alle 57 Begriffe · Länder-Vergleich

Was bedeutet Anwartschaftsversicherung?

Wer in die private Krankenversicherung wechselt, muss Gesundheitsfragen beantworten. Vorerkrankungen können zu Risikozuschlägen, Leistungsausschlüssen oder einer Ablehnung führen, und mit jedem Jahr steigt das Eintrittsalter. Die Anwartschaftsversicherung friert diese Ausgangslage ein: Während der Vertrag ruht, zahlt der Versicherte nur einen reduzierten Beitrag und erhält keine Leistungen. Wird die Anwartschaft später aktiviert, lebt der Vertrag zu den gesicherten Bedingungen wieder auf.

Zwei Formen sind üblich:

- Kleine Anwartschaft: Sie sichert den Gesundheitszustand bei Abschluss. Beim Wechsel in den vollen Schutz wird der Beitrag aber nach dem dann erreichten Alter berechnet. - Große Anwartschaft: Sie sichert zusätzlich das ursprüngliche Eintrittsalter, sodass sich der Beitrag nach der Aktivierung an diesem früheren Alter orientiert. Sie kostet mehr, führt aber in der Regel zu einem niedrigeren Beitrag im späteren vollen Schutz.

Für Beamte ist die Anwartschaft vor allem in Übergangsphasen wichtig, in denen sie nicht beihilfeberechtigt oder nicht privat versichert sind:

- Heilfürsorge: Polizeivollzugsbeamte und in einigen Ländern Feuerwehr- und Justizvollzugsbeamte erhalten während des aktiven Dienstes Heilfürsorge. Mit dem Ruhestand endet sie, dann gilt die Beihilfe mit meist 70 Prozent, und für den Rest wird ein Beihilfetarif gebraucht. Über die Öffnungsaktion können Heilfürsorgeberechtigte innerhalb von sechs Monaten ab Beginn der Heilfürsorge eine Anwartschaft auf einen späteren Beihilfetarif ohne Ablehnungsrisiko abschließen. - Referendariat und Ausbildung in der GKV: Rechtsreferendare sind in den meisten Ländern gesetzlich pflichtversichert. Wer aus dem Studium eine PKV hat oder später eine Verbeamtung erwartet, kann den Vertrag über eine Anwartschaft erhalten. - Anstellung statt Verbeamtung: Wer nach dem Vorbereitungsdienst angestellt wird und unter der Versicherungspflichtgrenze von 77.400 Euro (2026) verdient, wird gesetzlich pflichtversichert. Eine Anwartschaft hält die Rückkehr in die PKV bei späterer Verbeamtung offen.

Gesetzlich ist ein Recht darauf verankert, einen gekündigten Vertrag, der nach Art der Lebensversicherung betrieben wird, als Anwartschaftsversicherung fortzuführen (§ 204 Abs. 5 VVG). Die Beiträge und Bedingungen legt jeder Versicherer im Tarif fest.

So regeln es Bund und Länder

DienstherrRegelung
BundHeilfürsorge für Polizeivollzugsbeamte der Bundespolizei und beim Deutschen Bundestag; alle übrigen Bundesbeamten erhalten Beihilfe.
Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-AnhaltHeilfürsorge für Polizeivollzugsbeamte; im Ruhestand gilt Beihilfe.
Baden-Württemberg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-HolsteinHeilfürsorge für Polizeivollzugsbeamte und Feuerwehr (in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein für den Einsatzdienst); in Baden-Württemberg zusätzlich Wahlrecht für den Justizvollzug.
HamburgHeilfürsorge für Polizei, feuerwehrtechnischen Dienst und seit 1. April 2026 Justizvollzug; einmaliges, unwiderrufliches Wahlrecht zur Beihilfe.
SachsenHeilfürsorge für Polizeivollzugsbeamte, seit 1. Juli 2025 auch für den Justizvollzugsdienst.
Bayern, Berlin, Rheinland-Pfalz und ThüringenHeilfürsorge nur für bestimmte Gruppen, etwa in der Ausbildung oder bei der Bereitschaftspolizei; danach Beihilfe, weshalb eine Anwartschaft schon während der Ausbildung sinnvoll ist.
Hessen und SaarlandKeine freie Heilfürsorge; auch Polizeibeamte erhalten Beihilfe.

Hinweise und Tipps

Fragen zu Anwartschaftsversicherung

Brauchen Polizeibeamte mit Heilfürsorge wirklich eine Anwartschaft?
Für den Ruhestand in der Regel ja. Die Heilfürsorge endet mit der Pensionierung, danach gilt die Beihilfe und es wird ein Beihilfetarif gebraucht. Ohne Anwartschaft müsste dieser Tarif mit dem dann erreichten Alter und dem aktuellen Gesundheitszustand neu abgeschlossen werden.
Kleine oder große Anwartschaft: Was ist sinnvoller?
Bei kurzen Unterbrechungen reicht oft die kleine Anwartschaft, weil sich das Eintrittsalter nur wenig ändert. Bei langen Phasen, etwa Jahrzehnten in der Heilfürsorge, kann die große Anwartschaft den späteren Beitrag deutlich senken. Ein Vergleich der Kosten beider Varianten ist sinnvoll.
Kann eine Anwartschaft auch in der GKV abgeschlossen werden?
Ja, auch gesetzliche Krankenkassen bieten Anwartschaften an, zum Beispiel für Zeiten ohne Versicherungspflicht. Für Beamte, die später in einen Beihilfetarif wechseln wollen, steht aber meist die private Anwartschaft im Vordergrund.
Quellen (4)· Stand September 2026· Redaktion: Christian Fröhner
  1. Bundesministerium der Justiz: Versicherungsvertragsgesetz (VVG), § 204 Tarifwechsel
  2. Verband der Privaten Krankenversicherung: Was ist die sogenannte Öffnungsaktion der privaten Krankenversicherer für Beamtenanfänger?
  3. Bundesministerium der Justiz: Bundesbesoldungsgesetz (BBesG), § 70 Dienstkleidung, Heilfürsorge, Unterkunft für Polizeivollzugsbeamte des Bundes
  4. Beihilfevorschriften der Länder: Landesbeamtengesetze und Heilfürsorgeverordnungen (Einzelnachweise auf den jeweiligen Landesseiten)

Rechtsstand: September 2026. Angaben ohne Gewähr, maßgeblich ist die jeweils gültige Fassung.

Beraterin für Beamtenversicherungen

Persönliche Beratung, die Ihnen wirklich weiterhilft.

Wir unterstützen Sie gerne mit einem neutralen Vergleich und über 15 Jahre an Erfahrung.

Jetzt direkt vergleichen