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Beihilfe-Lexikon Personen & Status

Beamte auf Widerruf

Definition

Beamte auf Widerruf sind Beamte im Vorbereitungsdienst, etwa Anwärter und Lehramtsreferendare, die Anwärterbezüge erhalten. Sie sind beihilfeberechtigt, beim Bund und in den meisten Ländern mit einem Bemessungssatz von 50 Prozent.

Stand September 2026 · Alle 57 Begriffe · Länder-Vergleich

Was bedeutet Beamte auf Widerruf?

Das Beamtenverhältnis auf Widerruf dient der Ausbildung: Es beginnt mit dem Vorbereitungsdienst und endet mit der Prüfung. Danach folgt in der Regel die Übernahme als Beamter auf Probe. Beihilferechtlich sind Beamte auf Widerruf von Anfang an vollwertig abgesichert. Sie erhalten grundsätzlich den gleichen Bemessungssatz wie aktive Beamte, also 50 Prozent, ab zwei berücksichtigungsfähigen Kindern 70 Prozent. Hessen gewährt ihnen seit dem 24. November 2021 einheitlich 70 Prozent, auch für ihre Angehörigen.

Mehrere Länder entlasten Anwärter bei den Eigenanteilen. In Rheinland-Pfalz und im Saarland entfällt für sie die Kostendämpfungspauschale, Bayern und Thüringen verzichten auf die Eigenbeteiligung bei Arzneimitteln. Umgekehrt gibt es Einschränkungen: In Niedersachsen sind Zahnersatz und Implantate für Beamte auf Widerruf und ihre Angehörigen nicht beihilfefähig.

Für die Krankenversicherung ist der Beginn des Vorbereitungsdienstes der entscheidende Stichtag. Mit ihm startet die Sechsmonatsfrist der Öffnungsaktion: Wer den Antrag rechtzeitig stellt, wird trotz Vorerkrankungen aufgenommen, Risikozuschläge sind auf 30 Prozent begrenzt. Viele Versicherer bieten Anwärtertarife an, die ohne Altersrückstellungen kalkuliert und deshalb besonders günstig sind. Nach der Übernahme auf Probe werden sie in der Regel ohne neue Gesundheitsprüfung in einen regulären Beihilfetarif umgestellt.

Wo es die pauschale Beihilfe gibt, können auch Beamte auf Widerruf sie wählen. Ob die Wahl über den Vorbereitungsdienst hinaus bindet, ist unterschiedlich geregelt. Nicht jeder Referendar ist übrigens Beamter auf Widerruf: Rechtsreferendare stehen in vielen Ländern in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis und erhalten dann keine Beihilfe.

Rechenbeispiel: Anwärterin beim Bund und in Hessen, 1.000 Euro Rechnung

  1. 1Beim Bund erhält eine Anwärterin ohne Kinder 50 Prozent Beihilfe: 500 Euro, ihr Tarif trägt 500 Euro.
  2. 2In Hessen erhält sie als Beamtin auf Widerruf einheitlich 70 Prozent: 700 Euro, ihr Tarif muss nur 300 Euro tragen.
  3. 3Der Beihilfetarif in Hessen sichert damit nur 30 statt 50 Prozent ab und ist entsprechend günstiger.
  4. 4Nach der Übernahme auf Probe gilt in Hessen der familienbezogene Satz ab 50 Prozent; der Tarif muss dann angepasst werden.

So regeln es Bund und Länder

DienstherrRegelung
Bund50 Prozent wie aktive Beamte, 70 Prozent ab zwei berücksichtigungsfähigen Kindern (§ 46 BBhV).
Baden-Württemberg50 Prozent; wahlweise pauschale Beihilfe, die unwiderruflich auch für die spätere Laufbahn gilt.
Bayern50 Prozent; die Eigenbeteiligung von 3 Euro je Arzneimittel, Verbandmittel und Medizinprodukt entfällt für Beamte im Vorbereitungsdienst.
Hamburg, Brandenburg und ThüringenPauschale Beihilfe wählbar; nach dem Vorbereitungsdienst ist mit dem neuen Beamtenverhältnis eine neue Entscheidung möglich.
HessenSeit 24. November 2021 einheitlich 70 Prozent, auch für berücksichtigungsfähige Angehörige.
Niedersachsen50 Prozent; Zahnersatz, Kronen und Implantate sind nicht beihilfefähig, außer nach einem Unfall im Vorbereitungsdienst.
Rheinland-Pfalz und Saarland50 Prozent; keine Kostendämpfungspauschale für Anwärter.
Schleswig-Holstein50 Prozent; alternativ Zuschuss von 50 Prozent zur freiwilligen GKV.
Thüringen50 Prozent; der Eigenbehalt von 4 Euro je Arzneimittel entfällt.

Hinweise und Tipps

Fragen zu Beamte auf Widerruf

Was passiert mit dem Anwärtertarif nach dem Vorbereitungsdienst?
Der Versicherer stellt ihn in der Regel ohne neue Gesundheitsprüfung auf einen regulären Beihilfetarif um. Ab dann bildet er Altersrückstellungen, deshalb steigt der Beitrag. Ändert sich zugleich der Beihilfesatz, wird der Tarif entsprechend angepasst.
Kann ich die Öffnungsaktion noch nutzen, wenn ich im Vorbereitungsdienst gesetzlich versichert war?
Ja. Nach den Bedingungen des PKV-Verbands zählen Beamte auf Probe auch dann als Beamtenanfänger, wenn ein Beamtenverhältnis auf Widerruf mit gesetzlicher Krankenversicherung vorausgegangen ist. Der Antrag sollte innerhalb von sechs Monaten nach Beginn des Probebeamtenverhältnisses gestellt werden.
Bekommen Beamte auf Widerruf mit Familie einen höheren Satz?
Beim Bund und in den meisten Ländern steigt der Satz ab zwei berücksichtigungsfähigen Kindern auf 70 Prozent. Die Angehörigen selbst erhalten eigene Sätze, etwa 80 Prozent für Kinder. In Hessen bleibt es bei 70 Prozent für alle.
Quellen (4)· Stand September 2026· Redaktion: Christian Fröhner
  1. Bundesministerium der Justiz: Bundesbeihilfeverordnung (BBhV), § 46 Bemessung der Beihilfe
  2. Land Hessen: Hessische Beihilfenverordnung (HBeihVO), § 15 Bemessung der Beihilfe
  3. Freistaat Bayern: Bayerisches Beamtengesetz (BayBG), Art. 96 Beihilfe
  4. Verband der Privaten Krankenversicherung: Erleichterte Aufnahme in die Private Krankenversicherung für Beamte und deren Angehörige – Öffnungsaktionen der PKV (Stand Januar 2026)

Rechtsstand: September 2026. Angaben ohne Gewähr, maßgeblich ist die jeweils gültige Fassung.

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