Was bedeutet Beamte auf Widerruf?
Das Beamtenverhältnis auf Widerruf dient der Ausbildung: Es beginnt mit dem Vorbereitungsdienst und endet mit der Prüfung. Danach folgt in der Regel die Übernahme als Beamter auf Probe. Beihilferechtlich sind Beamte auf Widerruf von Anfang an vollwertig abgesichert. Sie erhalten grundsätzlich den gleichen Bemessungssatz wie aktive Beamte, also 50 Prozent, ab zwei berücksichtigungsfähigen Kindern 70 Prozent. Hessen gewährt ihnen seit dem 24. November 2021 einheitlich 70 Prozent, auch für ihre Angehörigen.
Mehrere Länder entlasten Anwärter bei den Eigenanteilen. In Rheinland-Pfalz und im Saarland entfällt für sie die Kostendämpfungspauschale, Bayern und Thüringen verzichten auf die Eigenbeteiligung bei Arzneimitteln. Umgekehrt gibt es Einschränkungen: In Niedersachsen sind Zahnersatz und Implantate für Beamte auf Widerruf und ihre Angehörigen nicht beihilfefähig.
Für die Krankenversicherung ist der Beginn des Vorbereitungsdienstes der entscheidende Stichtag. Mit ihm startet die Sechsmonatsfrist der Öffnungsaktion: Wer den Antrag rechtzeitig stellt, wird trotz Vorerkrankungen aufgenommen, Risikozuschläge sind auf 30 Prozent begrenzt. Viele Versicherer bieten Anwärtertarife an, die ohne Altersrückstellungen kalkuliert und deshalb besonders günstig sind. Nach der Übernahme auf Probe werden sie in der Regel ohne neue Gesundheitsprüfung in einen regulären Beihilfetarif umgestellt.
Wo es die pauschale Beihilfe gibt, können auch Beamte auf Widerruf sie wählen. Ob die Wahl über den Vorbereitungsdienst hinaus bindet, ist unterschiedlich geregelt. Nicht jeder Referendar ist übrigens Beamter auf Widerruf: Rechtsreferendare stehen in vielen Ländern in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis und erhalten dann keine Beihilfe.
Rechenbeispiel: Anwärterin beim Bund und in Hessen, 1.000 Euro Rechnung
- 1Beim Bund erhält eine Anwärterin ohne Kinder 50 Prozent Beihilfe: 500 Euro, ihr Tarif trägt 500 Euro.
- 2In Hessen erhält sie als Beamtin auf Widerruf einheitlich 70 Prozent: 700 Euro, ihr Tarif muss nur 300 Euro tragen.
- 3Der Beihilfetarif in Hessen sichert damit nur 30 statt 50 Prozent ab und ist entsprechend günstiger.
- 4Nach der Übernahme auf Probe gilt in Hessen der familienbezogene Satz ab 50 Prozent; der Tarif muss dann angepasst werden.
So regeln es Bund und Länder
| Dienstherr | Regelung |
|---|---|
| Bund | 50 Prozent wie aktive Beamte, 70 Prozent ab zwei berücksichtigungsfähigen Kindern (§ 46 BBhV). |
| Baden-Württemberg | 50 Prozent; wahlweise pauschale Beihilfe, die unwiderruflich auch für die spätere Laufbahn gilt. |
| Bayern | 50 Prozent; die Eigenbeteiligung von 3 Euro je Arzneimittel, Verbandmittel und Medizinprodukt entfällt für Beamte im Vorbereitungsdienst. |
| Hamburg, Brandenburg und Thüringen | Pauschale Beihilfe wählbar; nach dem Vorbereitungsdienst ist mit dem neuen Beamtenverhältnis eine neue Entscheidung möglich. |
| Hessen | Seit 24. November 2021 einheitlich 70 Prozent, auch für berücksichtigungsfähige Angehörige. |
| Niedersachsen | 50 Prozent; Zahnersatz, Kronen und Implantate sind nicht beihilfefähig, außer nach einem Unfall im Vorbereitungsdienst. |
| Rheinland-Pfalz und Saarland | 50 Prozent; keine Kostendämpfungspauschale für Anwärter. |
| Schleswig-Holstein | 50 Prozent; alternativ Zuschuss von 50 Prozent zur freiwilligen GKV. |
| Thüringen | 50 Prozent; der Eigenbehalt von 4 Euro je Arzneimittel entfällt. |