Für Beamte in Hessen richtet sich die Beihilfe nicht nach festen Sätzen für einzelne Personengruppen wie beim Bund, sondern nach der Familiensituation: Der Bemessungssatz beginnt bei 50 Prozent und steigt mit Ehepartner und Kindern in Schritten von 5 Prozentpunkten auf höchstens 70 Prozent. Dieser Satz gilt einheitlich für die Aufwendungen des Beamten und seiner berücksichtigungsfähigen Angehörigen, im Krankenhaus kommen 15 Prozentpunkte hinzu.
Weitere Besonderheiten betreffen die Wahlleistungen im Krankenhaus, die nur gegen einen monatlichen Eigenbeitrag beihilfefähig sind, und gesetzlich versicherte Beamte: Eine pauschale Beihilfe hat Hessen nicht eingeführt. Auch für die Polizei gilt die Beihilfe, eine freie Heilfürsorge wird seit 2014 nicht mehr neu gewährt.
Grundbemessungssatz
50 %
Steigt mit Ehepartner und Kindern um je 5 Punkte, höchstens auf 70 %.
Eigenbeitrag Wahlleistungen
18,90 €
Monatlich, damit Chefarzt und Zweibettzimmer beihilfefähig bleiben.
Verbeamtet im Landesdienst
60,7 %
Anteil der Vollzeitäquivalente im hessischen Landesbereich am 30.06.2024.
Familienbezogenes System: Ein Bemessungssatz gilt für den Beamten und alle berücksichtigungsfähigen Angehörigen gemeinsam.Quelle: § 15 HBeihVO
Bemessungssätze
50 % alleinstehend, 55 % verheiratet, je Kind +5 Punkte bis max. 70 %; stationär +15 Punkte bis max. 85 %. Beamte auf Widerruf einheitlich 70 %, Versorgungsempfänger +10 Punkte.Quelle: § 15 HBeihVO, Merkblatt RP Kassel
Wahlleistungen
Chefarzt und Zweibettzimmer beihilfefähig gegen 18,90 € monatlich; Erklärung binnen drei Monaten nach Diensteintritt, Zweibettzimmer abzüglich 16 € je Tag.Quelle: § 6a HBeihVO, Merkblatt RP Kassel
Kostendämpfungspauschale/Eigenbehalte
Keine Kostendämpfungspauschale. Eigenbehalte u. a. 4,50 € je Arzneimittelpackung (ab 18 Jahren) und 10 € je einfacher Fahrt.Quelle: Merkblatt RP Kassel
Pauschale Beihilfe
Nicht eingeführt. Freiwillig gesetzlich Versicherte erhalten eine Sachleistungsbeihilfe von 50 %, begrenzt auf die selbst gezahlten Kassenbeiträge der letzten zwölf Monate.Quelle: § 5 Abs. 5 HBeihVO, Merkblatt RP Kassel
Einkommensgrenze Partner
Berücksichtigungsfähig, wenn die Einkünfte im vorletzten Kalenderjahr das Zweifache des steuerlichen Grundfreibetrags nicht übersteigen.Quelle: Merkblatt RP Kassel
Heilfürsorge
Keine freie Heilfürsorge für Polizei und Justizvollzug; seit 2014 gilt durchgängig Beihilfe, Altfälle liefen bis Ende 2018 aus.Quelle: Hessischer Landtag, Drs. 20/9562
Verbeamtung Lehrkräfte
Lehrkräfte werden verbeamtet; Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst (LiV) sind Beamte auf Widerruf mit Anwärterbezügen und Beihilfe.Quelle: RP Kassel, Bezügestelle
Rechtsreferendare
Grundsätzlich Beamte auf Widerruf mit Beihilfe; wer die beamtenrechtlichen Voraussetzungen nicht erfüllt, kommt in ein öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis mit GKV-Pflicht.Quelle: OLG Frankfurt am Main
Beihilfestelle
Regierungspräsidium Kassel, Dezernat Beihilfen (Kassel und Hünfeld), zuständig für Landesbeamte; Antrag auch per eBeihilfe-Portal und -App.Quelle: RP Kassel
Rechtsgrundlage
§ 80 Hessisches Beamtengesetz (HBG) in Verbindung mit der Hessischen Beihilfenverordnung (HBeihVO).Quelle: HBG, HBeihVO
Wie funktioniert die familienbezogene Beihilfe in Hessen?
In Hessen gilt ein einziger Bemessungssatz für den Beamten und seine berücksichtigungsfähigen Angehörigen, der mit der Familiengröße steigt. Alleinstehende erhalten 50 Prozent, Verheiratete 55 Prozent, für jedes berücksichtigungsfähige Kind kommen 5 Prozentpunkte hinzu – höchstens bis 70 Prozent (§ 15 HBeihVO). Bei stationärer Krankenhausbehandlung erhöht sich der Satz um weitere 15 Prozentpunkte, höchstens auf 85 Prozent.
Rechenbeispiel: Eine verheiratete Beamtin mit zwei Kindern, deren Ehemann berücksichtigungsfähig ist, kommt auf 55 + 5 + 5 = 65 Prozent. Bei einer Arztrechnung über 1.000 Euro zahlt die Beihilfe 650 Euro, der Beihilfetarif der PKV 350 Euro. Im Krankenhaus steigt der Beihilfeanteil auf 80 Prozent.
Die Erhöhung für den Ehe- oder Lebenspartner entfällt unter anderem, wenn er selbst beihilfeberechtigt oder gesetzlich pflichtversichert ist. Für Beamte auf Widerruf gilt statt der Staffel einheitlich 70 Prozent. Mehr dazu im Beitrag Beihilfe in Hessen und zur Krankenversicherung für Referendare in Hessen.
GKV oder PKV: Was ist für Beamte in Hessen günstiger?
Für die meisten Beamten in Hessen ist die private Krankenversicherung günstiger, weil das Land keine pauschale Beihilfe zahlt. Gesetzlich versicherte Beamte tragen ihren Kassenbeitrag grundsätzlich selbst; es gibt keinen laufenden Zuschuss wie den Arbeitgeberanteil bei Angestellten.
Stattdessen kennt Hessen die Sachleistungsbeihilfe (§ 5 Abs. 5 HBeihVO): Freiwillig gesetzlich versicherte Beamte erhalten 50 Prozent Beihilfe zum Geldwert der in Anspruch genommenen Kassenleistungen – begrenzt auf die Beiträge, die sie in den zwölf Monaten vor dem Antrag selbst gezahlt haben. Zu Leistungen, für die die Kasse nur Zuschüsse zahlt, etwa beim Zahnersatz, kann die Beihilfe den verbleibenden beihilfefähigen Betrag vollständig übernehmen. Die Landesregierung evaluiert das Beihilfewesen derzeit; eine Entscheidung über eine pauschale Beihilfe steht noch aus.
In der PKV genügt dagegen ein Beihilfetarif für den Restanteil. Wer Vorerkrankungen hat, sollte beide Wege vergleichen lassen. Allgemeine Hinweise finden Sie im Ratgeber Krankenversicherung für Beamte sowie für Beamtenanwärter und Lehrer.
Was gilt für Polizei und Justizvollzug in Hessen?
Polizeivollzugsbeamte in Hessen erhalten Beihilfe und keine freie Heilfürsorge. Die frühere unentgeltliche Heilfürsorge für bestimmte Polizeibeamte im mittleren Dienst wurde 2014 nicht fortgeführt; Übergangsfälle liefen längstens bis zum 31. Dezember 2018 aus (§ 120 Abs. 2 HBG).
Auch im Justizvollzug gibt es keine Heilfürsorge, und die Landesregierung plant nach eigener Auskunft keine Einführung. Sie verweist darauf, dass in Hessen – anders als in der Heilfürsorge – Wahlleistungen im Krankenhaus und Heilpraktikerleistungen beihilfefähig sind und Familienangehörige über die Beihilfe mit abgesichert werden.
Für Polizeianwärter gilt als Beamte auf Widerruf der Satz von 70 Prozent. Eine beihilfekonforme PKV sollte deshalb schon zu Beginn der Ausbildung abgeschlossen werden.
Was ändert sich beim Ruhestand?
Im Ruhestand steigt der Bemessungssatz in Hessen um 10 Prozentpunkte gegenüber dem Satz nach Familienstand. Ein alleinstehender Pensionär erhält damit 60 Prozent, Empfänger von Witwen- oder Witwergeld weitere 5 Prozentpunkte.
Der PKV-Beitrag sinkt entsprechend, wenn der Tarif an den höheren Beihilfesatz angepasst wird. Wer im Ruhestand in der gesetzlichen Krankenversicherung der Rentner pflichtversichert ist, erhält keine Sachleistungsbeihilfe.
Im Rahmen der Krankenversicherungswahl stehen Beamtenanwärter und Referendare …
→
Häufige Fragen: Beamte in Hessen
Wie hoch ist die Beihilfe in Hessen?+
Alleinstehende Beamte erhalten 50 Prozent, verheiratete 55 Prozent. Für jedes berücksichtigungsfähige Kind steigt der Satz um 5 Prozentpunkte, höchstens auf 70 Prozent. Bei stationärer Behandlung kommen 15 Prozentpunkte hinzu, höchstens bis 85 Prozent.
Wie viel Beihilfe bekommen Anwärter und Referendare in Hessen?+
Beamte auf Widerruf erhalten seit dem 24. November 2021 einheitlich 70 Prozent Beihilfe, auch für ihre berücksichtigungsfähigen Angehörigen. Eine zusätzliche Erhöhung für Angehörige gibt es nicht.
Sind Chefarzt und Zweibettzimmer in Hessen beihilfefähig?+
Ja, wenn Sie innerhalb von drei Monaten nach Eintritt in den Dienst schriftlich zustimmen und ein Betrag von 18,90 Euro monatlich von den Bezügen einbehalten wird. Beim Zweibettzimmer werden 16 Euro je Tag abgezogen. Ohne fristgerechte Erklärung sind Wahlleistungen nicht beihilfefähig.
Gibt es in Hessen eine pauschale Beihilfe?+
Nein, Stand September 2026 nicht. Freiwillig gesetzlich versicherte Beamte erhalten stattdessen die Sachleistungsbeihilfe von 50 Prozent auf den Wert der Kassenleistungen, begrenzt auf ihre selbst gezahlten Beiträge der letzten zwölf Monate.
Gibt es in Hessen eine Kostendämpfungspauschale?+
Nein. Es gelten aber einzelne Eigenbehalte, zum Beispiel 4,50 Euro je Arzneimittelpackung für Erwachsene und 10 Euro je einfacher Fahrt bei Krankentransporten.
Bekommen Polizisten in Hessen freie Heilfürsorge?+
Nein. Polizeivollzugsbeamte in Hessen erhalten von Beginn an Beihilfe und benötigen eine ergänzende private Krankenversicherung. Die freie Heilfürsorge wurde 2014 nicht fortgeführt.
Quellen (9)· Stand September 2026· Redaktion: Christian Fröhner