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Beihilfe-Lexikon Verfahren & Antrag

Beihilfeantrag

Definition

Der Beihilfeantrag ist der Antrag, mit dem Beihilfeberechtigte bei ihrer Beihilfestelle die Erstattung eingereichter Rechnungen verlangen. Beim Bund ist er schriftlich oder elektronisch zu stellen; Belege werden als Kopie vorgelegt oder elektronisch übermittelt (§ 51 BBhV). Die Beihilfestelle setzt die Beihilfe anschließend mit einem Bescheid fest.

Stand September 2026 · Alle 57 Begriffe · Länder-Vergleich

Was bedeutet Beihilfeantrag?

Beihilfe fließt nie automatisch: Ohne Antrag gibt es keine Erstattung. Diese Seite beschreibt den Antrag selbst, also Inhalt, Belege und Ablauf. Den digitalen Einreichungsweg erklärt der Eintrag Beihilfe-App, das Ergebnis der Prüfung der Eintrag Beihilfebescheid.

Im Antrag gibt die beihilfeberechtigte Person an, für wen die Aufwendungen entstanden sind, etwa für sich selbst, den berücksichtigungsfähigen Partner oder ein Kind, und ob Leistungen Dritter wie einer Krankenkasse bestehen. Beigefügt werden die Rechnungen, beim Bund als Kopie; Originale bleiben beim Beamten, weil sie meist auch beim privaten Krankenversicherer eingereicht werden. Die Beihilfestelle prüft, ob die Aufwendungen notwendig und wirtschaftlich angemessen sind, und kann dazu Gutachten einholen. Eingereichte Belege werden nach spätestens sechs Monaten vernichtet.

Zwei Grenzen bestimmen den Zeitpunkt: Beim Bund müssen die Aufwendungen eines Antrags zusammen mehr als 200 Euro betragen (Mindestbetrag), und der Antrag muss innerhalb von drei Jahren nach dem Rechnungsdatum gestellt werden (§ 54 BBhV). Kleinere Rechnungen werden deshalb gesammelt. Bei hohen Kosten, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt, kann auf Antrag eine Abschlagszahlung gewährt werden (§ 51 Abs. 9 BBhV). In Fällen unbilliger Härte darf die Beihilfestelle einen Antrag durch Dritte zulassen, etwa durch Angehörige.

Für manche Leistungen reicht der nachträgliche Antrag nicht. Bei Psychotherapie muss die Beihilfestelle die Behandlung grundsätzlich vorher anerkennen (§ 18a BBhV); bei Zahnersatz schafft ein vorab eingereichter Heil- und Kostenplan Planungssicherheit.

Rechenbeispiel: Rechnungen sammeln bis über 200 Euro

  1. 1Ein Bundesbeamter mit 50 Prozent Beihilfe erhält im Februar eine Arztrechnung über 80 Euro, im April über 65 Euro und im Juni über 90 Euro.
  2. 2Einzeln liegt keine Rechnung über dem Mindestbetrag; zusammen sind es 235 Euro und damit mehr als 200 Euro.
  3. 3Er reicht alle drei Belege in einem Antrag ein; sind sie voll beihilfefähig, erstattet die Beihilfe 50 Prozent, also 117,50 Euro.
  4. 4Die übrigen 117,50 Euro rechnet er mit seinem Beihilfetarif ab; die Dreijahresfrist ab Rechnungsdatum ist deutlich eingehalten.

So regeln es Bund und Länder

DienstherrRegelung
BundAntrag schriftlich, elektronisch oder per Beihilfe-App; Mindestbetrag über 200 Euro, Frist drei Jahre nach Rechnungsdatum (§§ 51, 54 BBhV).
BremenAntrag bei Performa Nord, auch per App; Mindestbetrag 200 Euro je Antrag, Antragsfrist ein Jahr.
SachsenAntrag beim Landesamt für Steuern und Finanzen, auch per Beihilfe-App; Antragsfrist zwei Jahre.
Nordrhein-WestfalenPapieranträge gehen an die Zentrale Scanstelle Beihilfe in Detmold, alternativ per Beihilfe NRW App.
ThüringenFolgeanträge können beim Landesamt für Finanzen auch online über ein BundID-Konto gestellt werden.
HamburgBeihilfeanträge beim Zentrum für Personaldienste, auch per dBeihilfePlus; die pauschale Beihilfe wird dagegen über die Personalstelle beantragt.

Hinweise und Tipps

Fragen zu Beihilfeantrag

Kann ich Rechnungen für Partner und Kinder in einem Antrag einreichen?
Ja. Der Antrag wird von der beihilfeberechtigten Person gestellt und umfasst auch die Aufwendungen berücksichtigungsfähiger Angehöriger. Für jede Rechnung wird angegeben, für wen sie entstanden ist, weil unterschiedliche Bemessungssätze gelten können.
Was tun, wenn eine hohe Rechnung schnell bezahlt werden muss?
Beim Bund kann auf Antrag eine Abschlagszahlung gewährt werden. Zudem gilt der Mindestbetrag nicht als Hindernis, sobald eine einzelne Rechnung über 200 Euro liegt; sie kann sofort eingereicht werden.
Kann ich Beihilfe für eine Psychotherapie erst nachträglich beantragen?
Nur eingeschränkt. Beim Bund muss die Beihilfestelle die Beihilfefähigkeit grundsätzlich vor Beginn der Behandlung anerkennen, meist auf Grundlage eines Gutachtens (§ 18a BBhV). Ausgenommen sind Kurzzeittherapien bis 24 Sitzungen, bei Minderjährigen und Menschen mit Behinderung bis 30 Sitzungen.
Quellen (3)· Stand September 2026· Redaktion: Christian Fröhner
  1. Bundesministerium der Justiz: Bundesbeihilfeverordnung (BBhV), § 51 Bewilligungsverfahren
  2. Bundesministerium der Justiz: Bundesbeihilfeverordnung (BBhV), § 54 Antragsfrist
  3. Bundesministerium der Justiz: Bundesbeihilfeverordnung (BBhV), § 18a Gemeinsame Vorschriften für Psychotherapie

Rechtsstand: September 2026. Angaben ohne Gewähr, maßgeblich ist die jeweils gültige Fassung.

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